Jahresrückblick 2020

Als wir am Neujahrsmorgen in der Jurte aufwachten, glaubten wir, ein großartiges Pfadijahr vor uns zu haben. Es gab so viele tolle Pläne, beispielsweise wollten wir am Landeslager und am "Schwarzbunt - schwarze Zelte, buntes Treiben" teilnehmen und auch unser großes Segelboot sollte mal wieder zum Einsatz kommen. Aber natürlich verlief 2020 dann völlig anders.....

Im Februar konnten die Luchse noch das Bahn-Stellwerk in Emmerthal besichtigen und sich anschließend eine S-Bahn erklären lassen.

Die Adler feierten am 13. März ihren ersten Geburtstag mit einer Übernachtung im Gemeindehaus, und am nächsten Tag unterstützten sie mit den Luchsen zusammen auf dem Wochenmarkt den Rotary-Club Hameln beim Verkauf der Glücks-Ostereier.

Doch im Laufe dieses Wochenendes wurde auch klar: Wegen der schnell ausufernden Corona-Pandemie würden wir in der Folgezeit alle weiteren Treffen absagen müssen. Wir ahnten, dass unsere gewohnten Aktivitäten für lange Zeit nicht möglich sein würden und entwickelten sofort ein Alternativprogramm: Wir probieren neue Sachen - mit dieser Textzeile aus dem Lied "Flinke Hände, flinke Füße" als Motto gab es jeden Tag eine E-Mail mit immer neuen kleinen Aufgaben, Spielen, Rätseln oder Wettbewerben rund um die Pfadfinderei. Es wurden Lieder geraten, Fotos gemacht, Knoten geübt, Müllsammel-Spaziergänge unternommen, Morseschriften entschlüsselt, Landkarten-Aufgaben gelöst und sogar ein gemeinsames Lied aufgenommen (ohne sich zu treffen) und noch vieles mehr...... Erst nach 50 Tagen war aus der Idee "die Luft raus". Danach begannen die Luchse, sich in Internetkonferenzen zu treffen. Höhepunkt dieser digitalen Sippenstunden war unsere Teilnahme an einem Online-Detektivspiel über mehrere Tage hinweg.

Dann kam der Juni, und es war endlich wieder erlaubt, "echte" Sippenstunden durchzuführen. Wir fingen an mit einer begrenzten Personenzahl, vielen Einschränkungen und einem ständig an die aktuellen Vorgaben angepassten Hygienekonzept. Natürlich trafen wir uns nur draußen, in unserem Garten. Ein Desinfizier- und Händewaschplatz wurde eingerichtet, und für die Abschlusskreise bastelten wir Distanz-Seile.

Ebenfalls im Juni fand unser "Corona-Familienhajk" statt: Bei dieser Orientierungs- und Aufgabenwanderung bildeten nicht wie sonst mehrere Pfadis eine Gruppe, sondern immer jeweils eine Pfadfinder-Familie - es mussten also Mütter und Väter für das Mitgehen begeistert werden. Trotz leichten Regens hatten aber am Ende sogar Eltern viel Spaß, die morgens noch gar keine Lust zum Mitmachen gehabt hatten.

Im Juli konnte erstmals wieder gezeltet werden. Zwar nur in Kröten, den ganz kleinen Ein-Personen-Zelten und mit viel Abstand, aber wir waren dankbar, dass es überhaupt möglich war. Außerdem gab es noch eine gemeinsame Fahrradtour entlang der Weser, bei der zwischendurch Geschicklichkeits-Parcours gemeistert werden mussten.

Allmählich normalisierte sich das Stammesleben also wieder. Die Adler bauten in den Sippenstunden Schwedenstühle, die Luchse ein begehbares Lagertor und ein Grubenhaus. In dieser Zeit entstand auch unser neuer Film, den Ihr Euch hier ansehen könnt.

Im September/Oktober gab es wieder unsere Apfelsaftaktion, und in unserem Pfadigarten fand der Erntedank-Gottesdienst unserer Gemeinde statt.

Für die Herbstferien hatte unser Bezirk Süntel aufgerufen, im Deister auf Hajk zu gehen. Es sollten Stationen angelaufen werden, an denen es Stempel für einen Wanderpass gab. Wir hatten uns im Naturfreundehaus Deisterhütte einquartiert und starteten von dort täglich zu verschiedenen Zielen, kombinierten die Wanderungen aber noch mit eigenen Ideen wie kleinen Aufgaben-Stationen oder auch einem Orientierungsspiel mit Übernachtung im Wald.

Allerdings war auch unübersehbar, dass sich die Pandemie-Situation wieder verschlechterte. Die Idee, Sippenstunden auch wieder im Gruppenraum stattfinden zu lassen, wurde schnell wieder verworfen. Bis in den November hinein gab es trotz Dunkelheit noch Treffen im Garten, dann aber musste die Stammesarbeit leider wieder komplett ruhen.

Das Friedenslicht wurde am dritten Advent noch geholt und in einem kleinen Freiluft-Gottesdienst verteilt, ein Silvesterzelten gabe es aber nicht mehr.

Insgesamt war 2020 also ein schwieriges Jahr mit viel Verzicht und weniger gemeinsamen Abenteuern als erhofft. Jede zusammen erlebte Stunde benötigte viel mehr Vorbereitung als in "normalen" Jahren: Verordnungen lesen, Hygienekonzepte entwickeln und ständig anpassen, Veranstaltungen "coronakonform" planen..... Am Ende meinen wir, eine gute Balance zwischen Gesundheitsschutz und Erlebnisbedürfnis hinbekommen zu haben. Übrig bleiben ganz viele große Ideen und Vorhaben für's nächste Jahr, aber auch die Erkenntnis: Wir können auch an kleineren Aktionen viel Spaß haben!